BP Olielek kan apocaliptische vormen aannemen.

Paul Noel: “Wenn der Tiefseeboden kollabiert, haben wir ein Problem”

By Roman | Juni 25, 2010

Vorab hatten wir das Interview mit Paul bereits vor einigen Tagen hier wie auch auf der Seite von infokriegernews.de auf Englisch eingestellt. Es hat aufgrund des Umfangs dieses Gesprächs ein wenig gedauert, um diese geballte Ladung an Informationen, gespickt mit Fachwissen, auf Deutsch zu übersetzen. Ich bin daher auch heilfroh, dass diese Sache endlich abgeschlossen ist. Auch habe ich zum besseren Verständnis nochmals Bildmaterial von geoplatform mit eingebaut, das eine ganze Menge an weiteren Informationen über die geologischen Strukturen in der Umgebung des lecken Bohrlochs liefert. Es handelt sich hier nämlich nicht einfach um einen flachen Tiefseeboden, sondern in der Gesamtstruktur um einen unterseeischen Canyon bzw. eine Felsenschlucht.
 

Über Paul Noel

Paul Noel, 1957 geboren in Lynnwood, Washington, zog mit seiner Familie nach Huntsville, Alabama als sein Vater Mitglied des Weltraumprogramms der NASA wurde, um dabei mitzuwirken, die ersten Menschen auf den Mond zu befördern. Neil Armstrong war einer der Glücklichen, der diese Reise antreten durfte und die Arbeit seines Vaters am Computer trug mit dazu bei, diese Mission erfolgreich abzuschließen. Paul arbeitet heute unter anderem als Softwareingenieur für die US-Armee auf der Redstone Basis in Alabama. Er verfügt über weitläufige Erfahrungen und Wissen auf technischen und naturwissenschaftlichen Gebieten. Neben anderen technischen Expertisen zur Entwicklung neuer Produkte, die mit der US-Armee in Verbindung stehen, beliefert er auch die Öl- und Gasindustrie in den USA mit seinen Expertisen. Er besuchte bislang die meisten der Bohrplattformen in der Bucht von Mobile und inspizierte ihre Werften. Auch war er eine Zeit lang auf der Experimentierstation des US-Armeekorpses der Ingenieure südlich von Vicksburg, Mississippi stationiert, um dort Studien über die Hydraulikeffekte des Wassers und Auswirkungen von Erdbeben anzustellen. Seine Arbeit führte Paul bis heute in 40 US-Bundesstaaten, insbesondere von Florida bis Louisiana und der Region des Golfs von Mexiko. Er nahm teil an vielen Ökologieprojekten, um ernsthafte Umweltverschmutzungen zu bekämpfen. Seine Interessen liegen insbesondere auf den Gebieten der Physik, Chemie, Biologie, Botanik und vielen anderen Naturwissenschaften. Auch die Geologie gehört zu seinen Kerngebieten. Paul verfügt über insgesamt drei Studienabschlüsse in Betriebswirtschaft, Informatik und angewandeten Wissenschaften. Paul ist ebenfalls ein Gründungsmitglied des New Energy Congress und in beratender Funktion des PSE Network. Wir bedanken uns bei ihm für dieses ausführliche Interview über die aktuelle Situation um das lecke Bohrloch im Golf von Mexiko.

Geologische Struktur des Gebiets, in dem die Bohrplattform Deepwater Horizon gesunken ist


gelb-schwarzer punkt: standort der gesunkenen deepwater horizon

zur geologischen struktur sollte jeder nochmals den artikel von globalresearch unter bezugnahme auf geoplatform lesen. dort finden sich noch weitaus mehr erklärende abbildungen – zum vergrößern bitte zweimal anklicken. paul erklärte, dass das lecke bohrloch in etwa halber höhe eines canyons oder felsschlucht liegen würde, dessen untergrund eine plattform oder eine art unterseeischer tafelberg mit nähe zu einem steil abfallenden hang der gesamten formation bilden würde. natürlich gibt es hier methanhydrat in hülle und fülle.

Interview

wirtschaftsfacts.de: Überlebende Mitglieder der Mannschaft der Deepwater Horizon erklärten, dass eine große Methangasblase durch das Bohrrohr aufgestiegen sei, bevor die Ölbohrplattform explodierte. Diese Methangasblase soll die Explosion der Plattform ausgelöst haben. Ist der Bohrer am Tiefseeboden auf eine Schicht an Methanhydraten getroffen? Und verursachte dies den Untergang der Plattform?
Paul Noel: Methaneis: Methanhydrate beginnen sich auszubilden, wenn die Wassertemperatur sich dem Gefrierpunkt nähert und der Wasserdruck in der Tiefe zunimmt. Die Methanhydrate in der Nordsee sind wohl etwas, mit dem Europäer vertraut sein dürften. Diese bilden sich normalerweise in Regionen, in denen Methan durch den Fels nach oben steigt und dort auf einen hohen Wasserdruck trifft. Die Probleme der Ölindustrie mit Methanhydraten sind legendär und beinhalten mehrere ähnliche Ereignisse. Sie sind oftmals auch unter dem Namen  “Shallow Gas” bekannt. Während sich Bohrungen normalerweise in weniger als 1.000 Metern Tiefe abspielen, könnte dies dazu führen, dass Methan explosionsartig nach oben steigt. Die Bohranlage wird daraufhin in eine Wolke aus Methan gehüllt, die den Ausbruch von Feuer und Explosionen verursachen kann. Während sich das Methan im Meerwasser ausbreitet kann es zu einem Verlust der Schwimmkraft der Bohrplattform führen, falls diese floatet. Dies war im Falle der Deepwater Horizon jedoch nicht das Versagen. Ich bin der Meinung, dass es für deren Untergang vollkommen andere Gründe gibt.
Die Deepwater Horizon Bohrplattform verlor die Kontrolle über die Druckverhältnisse innerhalb des Bohrrohrs. Unter der Berücksichtigung der Angaben von BP nutzten sie dort ein Hochdruckbohrrohr, dass über 20.000 Pfund pro Quadratzoll (137.000 kPa) aufwies. Dies ist hier in der Region keine Ausnahme und könnte sich in der Tat immer noch als zu gering erweisen. Druckverhältnisse von 65.000 Pfund pro Quadratzoll aufwärts sind hier nahezu normal. Das Bohrrohr war ziemlich abschüssig, um den Ausgleich der Druckverhältnisse zu gewährleisten. Der Druck wird kontrolliert durch eine Beschwerung des Bohrschlamms innerhalb des Bohrrohrs, und dies solange, bis sein Gewicht dasjenige des Bohrrohrdrucks erreicht. Methanhydrate könnten für eine ganze Menge der Instabilität dieses Bohrlochs verantwortlich zeichnen, tatsächlich wurde jedoch gar nicht zu dem Zeitpunkt gebohrt als das Bohrloch leck schlug.
Unter Bezugnahme auf eine Anhörung des Unternehmens Halliburton vor dem verantwortlichen Vorsitzenden eines Komitees des Repräsentantenhauses, dem Republikaner Markey, wurde erklärt, dass einige mehr Verschlusslöcher innerhalb des Bohrrohrs installiert wurden, als es BP ursprünglich anforderte. BP ersuchte ebenso darum, dass der ausgleichsgewichtige Bohrschlamm aus dem Bohrrohr entfernt werden sollte, bevor Mitarbeiter von Halliburton vermuteten, dass diese Operation sicher durchführbar sei. Die daraus resultierende Situation hat die Ausformung einer massiven Mathangasblase im Bohrloch selbst verursacht, was dazu führte, den Bohrschlamm und andere Inhalte aus dem Bohrloch zu befördern, wodurch sich am Meeresboden schließlich ein offenes Loch bildete.
Mancher mag der Annahme sein, dass die Bohrlochabdichtung (Blowout Preventer/BOP) geschlossen werden könnte, wodurch dieses Problem zu stoppen sei. BP hatte bereits einige Ecken abgeschnitten und der BOP befindet sich genau auf der Spitze des Bohrlochs. Die Bohrlochabdichtung ist nicht verriegelt und kann nicht mehr zu diesem Zweck verwendet werden. Diese Angaben stammen ebenfalls aus den Quellen des republikanischen Abgeordneten Markey. Somit ist die Bohrlochabdichtung nahezu nutzlos geworden. Der Aufwärtsdruck im Bohrloch auf die Bohrlochabdichtung – falls diese abgeschaltet würde (Angaben von BP) liegt bei ungefähr 15.000 britischen Tonnen. Es bedeutet, dass die Bohrlochabdichtung komplett nutzlos geworden ist. Selbst wenn diese gesichert werden könnte, wäre es wahrscheinlich, dass die innerhalb des Bohrlochs vorherrschenden Druckverhältnisse dazu führen könnten, sowohl das Bohrrohr als auch die Bohrlochabdichtung unter äußerst gewaltsamen Umständen vom Bohrloch abzutrennen.
Der republikanische Abgeordnete Markey berichtete, dass BP drei konzentrische Geräte in das Bohrloch beförderte, als Halliburton darum ersuchte, insgesamt 28 einzusetzen. Das ist ernst, denn man geht hier davon aus, dass das Bohrloch selbst mit einem gestopften Bohrrohr instabil und somit gefährlich ist. Diese Instrumente werden installiert, weil der Druck auf das Felsgestein, wenn tief in der Erde gebohrt wird, sehr hoch ist. Während der Bohrer den Druck ablässt, explodiert das Gestein innerlich, was dazu führt, dass das Bohrloch etwas größer wird als die ursprünglichen Bohrspitzeneinschnitte. Resultat dessen ist, dass sich das Bohrrohr teilweise in einem offenen Raum befindet und nicht dazu in der Lage ist, Methan und Öl davon abzuhalten, in seiner unmittelbaren Umgebung empor zu steigen. Mit nur drei solcher installierten Instrumente ist das Bohrloch immer gefährlich. Falls irgendetwas schief geht, wird das Bohrloch zum Objekt eines Blowouts an seinen Seitenrändern. BP setzte ebenfalls billigeren Stahl ein, der schnell Opfer von Druckausgleichsfehlern oder Korrosion wird. Die einzige Beschreibung, die mir zu diesem Bohrloch einfällt, ist, dass es sich in großen Problemen befindet.
wirtschaftsfacts.de: Sind Sie dazu in der Lage, uns mit Details über die Struktur des Methanhydrats am Tiefseegrund des Golfs von Mexiko zu versorgen? Welche Gefahren sind mit diesen Strukturen verbunden in der aktuellen Situation?

Paul Noel: Fast die gesamte Gegend um den Golf von Mexiko unterhalb von 3.000 Fuß enthält große Mengen an Methanhydrat. Oberhalb dieser Tiefe sind die Lagerstätten nicht immer da, kommen aber öfters vor. Die exakten Mengen variieren, befinden sich jedoch in einem Umfang von etwa 10 Metern Höhe in Form von nahezu purem Hydrat auf den meisten Stellen des Tiefseebodens im Golf von Mexiko aufsitzend. Methanhydrate sind instabil, wenn sich die Temperatur oder der umgebende Druck verändern. Diese Tiefseelagerstätten sind sehr stabil, weil sich die Temperatur oder der Druck in diesem Gebiet nicht verändern.
Der Hauptgrund, warum diese Methanhydrate hier in der Gegend derart umfangreich auftreten, liegt darin, dass die Region massive Strömungen von Methangas und Öl produziert. Die natürliche Strömungsrate im Golf von Mexiko liegt gemessen in Petroleumdestillaten bei über 50.000 Barrel pro Tag. Der Golf von Mexiko hat sich so gut angepasst an diese Strömungsrate, so dass große Mengen an biologischen Organismen existieren, die dieses Öl nahezu sofort zersetzen und konsumieren. Durch einen nur leichten Anstieg der Population dieser Organismen, die von Bakterien bis hin zu ziemlich großen Lebewesen am Tiefseeboden reichen, könnte der Golf von Mexiko auf sehr einfache Weise weitere 50.000 Barrel pro Tag aufzehren. Die Methangasausströmungen sind riesig und zudem sehr häufig in der Tiefsee des Golfs von Mexiko. Ich besitze derzeit leider keine quantitativen Daten über die Anzahl oder Größe dieser Methangasaussickerungen. Jedoch ist es eine ganze Menge.
Methanhydrate sind in erster Linie in flacheren Gebieten gefährlich. Das kommt, weil sich dort die Temperaturen und der Druck verändern können. In tieferen Gebieten stellen Methanhydrate diese Gefahr nicht dar. Tiefseeöl ist recht heiß und wenn es hochkommt und die umliegenden Felsformationen aufheizt, könnte das Probleme auslösen. Dies würde sich in Methangasfreisetzungen außerhalb des Bohrrohrs manifestieren.
wirtschaftsfacts.de: Was sind die langfristigen Konsequenzen für die gesamte Region? Der amerikanische Wissenschaftler James P. Wickstrom warnte erst kürzlich davor, dass ein sich bildender Tsunami schlimmstenfalls vielleicht die Südküste der USA abräumen könnte. Stimmen Sie ihm zu?
Paul Noel: Tsunami-Risiko: Das Tsunami-Problem leitet sich größtenteils aus einer Bewegung von unterseeischen Landschaftsräumen in flacherem Wasser ab. In tieferem Wasser ist das Risiko nicht gleichermaßen hoch. Wenn sich ein großer Landschaftsraum verschiebt könnte so etwas passieren. Alle mit dem Ölbohrloch verbundenen Risiken an dieser Stelle im Golf von Mexiko zirkulieren um die Frage, was passieren wird, wenn sich die Erde bewegt, um die Freisetzung der Materie zu kompensieren, die solch einen Vorgang unterstützt oder auch nicht. Bei Petronious (ein anderes Gasfeld) ungefähr 15 Meilen entfernt von unserem Macondo-Bohrloch, wurden im Zuge voran schreitender Arbeiten am Bohrloch zum Beispiel Erdbeben der Stärke von bis zu 4,5 auf der Richterskala ausgelöst. Solche Ereignisse können groß genug sein, um einen Tsunami auszulösen.
Die bislang geförderte Menge Öl aus dem bestehenden Ölreservoir kann bereits zu diesem Zeitpunkt als signifikante Menge bezeichnet werden. Es besteht das Risiko eines Tsunami, wenn die Wahrscheinlichkeit eines derartigen Ereignisses meiner Meinung nach momentan auch als ziemlich gering einzuschätzen ist. Es ist jedoch nur eine Frage der Zeit, bis sich am Tiefseeboden etwas verschiebt. Die Frage, um die sich alles dreht, ist lediglich, auf welche Weise sich etwas verschiebt und was dann passiert, wenn es zu diesen Verschiebungen kommt. Das Risiko, dass der Tiefseeboden zu einem bestimmten Zeitpunkt aufbricht und in der Folge dadurch noch mehr Öl ins Meer ausläuft als momentan ohnehin schon, ist wahrscheinlich sehr viel größer. Verschiedene Quellen aus der Ölindustrie berichteten, dass derartige Dinge tatsächlich passieren. Ich war bisher nicht in der Lage, genauere Daten darüber zu bekommen, wie hoch die Schäden im Macondo-Feld tatsächlich bereits sind. Ein Analyst aus der Ölindustrie hat darüber berichtet, dass der Ölausfluss aus diesen Rissen am Tiefseeboden bereits höher ist als derjenige aus dem ursprünglichen Bohrloch. Darüber liegen jedoch noch keine genauen Daten vor.
Konsequenzen:

  • (1) Tourismus: Der Tourismus ist ein sehr großer Industriezweig an den hübschen weißen Sandstränden von Alabama und Florida. Das Geschäft wird jetzt für einen längeren Zeitraum komplett am Boden liegen. Dieser Zeitraum wird sich auch noch über mehrere Jahre hinziehen, nachdem das Öl aufgehört haben wird, auszulaufen. In Alabama lassen sich diese Ereignisse mit Gewinneinbußen in Höhe von $50 Milliarden pro Jahr assoziieren. Im Norden Floridas belaufen sich die Einbußen auf etwa $100 Milliarden pro Jahr. Die Fischerei ist das Kerngeschäft der Lebensmittelindustrie und ebenfalls ein Teil des Kerngeschäfts des Tourismus. Diese Wirtschaftszweige werden für 10 Jahre schwer geschädigt und für bis zu 25 Jahre leicht geschädigt sein.
  • (2) Fischbestand: Die Fisch verarbeitende Industrie ist in dieser Region sehr groß. Aufgrund der Überfischung an anderen Orten auf der Welt nehmen die dortigen Fischbestände massiv ab. In dieser Gegend lag die Situation immer anders. Hier wurde gut verwaltet und die Produktion zeigte sich anhaltend stabil. Die Region im Süden der USA bediente 20% der Weltnachfrage. Die jetzige Lage wird die sowieso bereits überfischten Gebiete in anderen Regionen der Welt stark unter Druck setzen. Wenn im Süden der USA für nur ein oder auch zwei Jahre nicht mehr produziert wird, wird sich eine große Anzahl an Menschen in Afrika oder Südostasien aufgrund einer entstehenden Knappheit an Meeresprodukten ein neues Zuhause suchen müssen. Die Fischbestände werden auf eine Art und Weise geschädigt werden, dass sie selbst für weitere ein oder zwei Jahre, nachdem das Bohrloch gestopft worden sein wird, zum Verzehr unbrauchbar sind. Danach dürften sich die Bestände nach und nach erholen. Einige Fischarten werden jedoch beinahe 50 Jahre benötigen, bis sich ihre Population wieder erholt hat. Das hat in erster Linie nichts mit dem Fischsterben, sondern hauptsächlich mit der Zerstörung ihrer Brutreviere zu tun.
  • (3) Handel: Es wird schwere Einschränkungen bezüglich der Funktionalität der wichtigen Häfen von New Orleans in Louisiana, Pascagoula in Mississippi und Mobile in Alabama geben. Dieser Aspekt wird sich negativ auf den Handel mit Europa und Asien auswirken, da diese drei Häfen für über 50% des Handels der USA mit dem Ausland verantwortlich zeichnen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen werden für alle beteiligten Parteien massiv sein. Pascagoula ist ein automatisierter Containerhafen. Sowohl der Hafen von New Orleans als auch die Flussmündung des Mississippi River stellen die Eingangspforte zu einer Reihe von Flusshäfen dar, die Ozeanfrachter bis nach Memphis, Tennessee hinauf bringen können. Während keiner dieser Häfen mit Rotterdam in den Niederlanden konkurrieren kann, sind die Häfen im Mississippi River unter Berücksichtigung der kumulierten Handelsaktivitäten weitaus größer als irgendein Hafen in der Europäischen Union.
  • (4) Umwelt: Das lecke Bohrloch beginnt jetzt erst richtig, Schaden anzurichten. Sowohl das Marschland als auch die Feuchtgebiete werden schwer beschädigt, wenn sie dem Öl ausgesetzt werden, haben allerdings das Potenzial, sich zu erholen. Setzt man sie jedoch wiederholt einem Ölausfluss aus, werden sie irgendwann komplett absterben. Dieses Marschland und die Feuchtgebiete sind die Brutstätten für viele Meerestiere in der Region. Die daraus resultierenden Auswirkungen werden sich bis auf Europa und die Nordsee ausweiten, da der im Süden der USA seine Quelle habende Golfstrom sich in diese Region bewegt. Die Wanderungen vieler verschiedener Fischarten und Vögel vollziehen sich bis in die Arktis und weiter hinunter in den Süden durch diese Gewässer. Dieser Ort ist ein Knotenpunkt in Bezug auf ihre Wanderungen und Brutplätze. Eine große Anzahl von Wandervögeln durchqueren diese Region im Herbst und Frühjahr eines jeden Jahres. Über die Interaktion zwischen diesen Vögeln und dem Meer ist bislang herzlich wenig bekannt, sie kann allerdings nicht unbedeutend sein. Wir haben sogar Schmetterlinge, die diese Region durchqueren. Im Zuge der Wanderung sind diese Vögel derart konzentriert auf das Marschland als letzte Vorbereitungsstätte für ihren Überseeflug, dass die aus der Ölkatastrophe resultierenden Auswirkungen nicht gering sein können. Die Anzahl der Vögel ist so hoch, dass sie die Funktion des Küstenradars für die Wetterbestimmung lahmlegen können. Eine hohe Prozentzahl an Walen und Delphinen lebt in dieser Gegend. Wissenschaftlichen Berichten zufolge lebt rund 80% der Weltdelfinpopulation rund um die Gegend, die momentan das lecke Bohrloch beherbergt. Viele Arten von größeren Walen durchqueren diese Region und haben ihre Jungtiere im Schlepptau.
  • (5) Seevögel: Es gibt große Bestände an Seevögeln, wie Pelikane und andere, die durch die Katastrophe stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Es wird mehrere Jahrzehnte dauern, bis sie sich von diesem Schock wieder erholt haben werden. Es gibt Vögel, die fast ihr ganzes Leben auf dem Wasser nahe der Küste verbringen. Diese Vögel werden sterben oder sind bereits tot.

wirtschaftsfacts.de: Was würde einen Tsunami eigentlich tatsächlich auslösen? Oder vielleicht ein Erdbeben? Der US-Wissenschaftler James P. Wickstrom erklärte, dass der hohe Druck  in der Ölkammer unterhalb der Erdkruste letztendlich dazu führen werde, den Tiefseeboden anzuheben, was dann zu einer solchen Folgekatastrophe führen werde. Dramatisiert er?
Paul Noel: Um es genauer zu definieren: der Tiefseeboden wird zusammenbrechen oder an einer Stelle abrutschen. Das Kollabieren steht absolut fest. Die Frage ist nur, wie dieses Szenario vonstatten gehen wird. Nun, da das Öl der Lagerstätte entweicht, sind mehrere Arten eines Zusammenbruchs möglich. Ein einfaches Einsinken des Bodens würde es erlauben, diesen Prozess auf eine einigermaßen sichere Weise vonstatten gehen zu lassen. Wenn die Felsschlucht, wo das Unternehmen gebohrt hat, jedoch an der falschen Stelle absackt, könnten wir die Auswirkungen eines Hangrutsches unter Wasser erleben. Ein solcher Prozess würde mehr als alle anderen einen Tsunami verursachen können. Denn im Zuge dieses Prozesses würden gewaltige Mengen an Wasser bewegt. Die unterseeische Felsschlucht ist ungefähr 2 Meilen tief. Das Bohrloch befindet sich auf einer Art Tafelberg etwa auf der Höhe der Hälfte des Felshangs auf dem Weg bis ganz hinunter. Falls die Erde nur geringfügig aufbricht und nur ein wenig abrutscht, könnte sich ein solcher Prozess als zu vernachlässigendes Geschehnis darstellen. Unglücklicherweise könnte ein solches Geschehnis jedoch dazu führen, dass das Öl in der Folge in einem katastrophalen Ausmaß ausfließt und durch seine vollkommen unkontrollierte Freisetzung sogar auch das Leben der Menschen in Europa bedrohen könnte.
Ich möchte nicht, dass irgendjemand denkt, ich hielte dieses Szenario für unumgänglich. Es ist eines unter anderen möglichen Szenarien. Die Lagerstätte des Öls im Golf von Mexiko ist um einiges größer als manche Lagerstätten in Saudi Arabien. Es bestehen dort auch massiv höhere Druckverhältnisse. Die saudischen und kuwaitischen Ölfelder weisen einen viel niedrigeren Druck auf als diese Lagerstätte. Eine Menge hängt von den potenziellen Verbindungen und Verästelungen zwischen dem Macondo-Ölfeld und den anderen weiter in der Mitte des Golfs von Mexiko befindlichen Feldern ab. Falls es zum Einsinken eines Teils des Felsschluchtenhangs kommen sollte, was durchaus möglich ist, könnte auf diese Weise eine massive Menge an Öl aus dem Feld austreten, so dass nicht nur der Golf von Mexiko und die US-Atlantikküste verseucht würde, sondern das Öl auch an die Küsten Europas gespült würde.
wirtschaftsfacts.de: Könnte sich die Lage weiter verschlechtern, falls sich die am Tiefseeboden befindlichen Methanhydrate weiter auflösen und zersetzen?
Paul Noel: Die Methanhydrate könnten in diesen Prozess involviert werden, falls das warme Öl aus dem Erdinneren beginnen würde zu steigen, was wiederum einen explosiven Defekt des Felsschluchtenhangs zur Folge haben könnte. Ja, die Dinge könnten noch sehr viel schimmer werden. Hoffentlich werden sie es nicht. Es ist nicht vollkommen ausgeschlossen, aber die Möglichkeit ist derzeit trotz allem eher abwegig.
wirtschaftsfacts.de: Ein Tsunami oder Erdbeben würde die gesamte Küstenregion der US-Südstaaten kontaminieren. Die US-Regierung lässt jedoch nicht viele Informationen nach außen dringen und verhält sich passiv. Gibt es irgendetwas, was Herr Obama tun könnte? Zum Beispiel eine Evakuierung der Region anordnen?
Paul Noel: Wenn ein Tsunami entstehen sollte, würde ich mir über die Verschmutzung des Küstenlandes keine Gedanken mehr machen. Es ginge in diesem Falle um einen weitaus größeren Schaden, den eine derartige Welle anrichten würde. Da die Gegend sehr flach ist und es auf dem Küstenland kaum Erhebungen gibt, würde eine solche Welle weit ins Küstenhinterland eindringen. Die ehedem aus Hurrikan Katrina resultierende Sturmflut drang 60 Kilometer weit ins Hinterland entlang des gesamten Küstenabschnitts ein. Ich bin nicht der Meinung, dass die US-Regierung eine Evakuierung der Region aufgrund bestehender Gefahren durchführen wird. Wir befinden uns hier unten bereits jetzt alle in großer Gefahr und alles was die Regierung tut, ist, diese potenziellen Gefahren zu verleugnen. Das beste Beispiel ist doch die völlig falsche Einschätzung zu den ausfließenden Ölmengen. Die erste Schätzung lag bei 1.000 Barrel pro Tag. Ich habe einen Wasserbrunnen auf meinem Grundstück mit einer 0,75 Hochdruckpumpe und einem 3 Zentimeter großen Abflussrohr. Ich bin dazu in der Lage, einen Wasserstrom aus meiner Pumpe heraus zu befördern, der bei 1.440 BPD liegt. Allein diese Beobachtung verkehrt die bis dahin gemachten Angaben der Regierung in eine Lüge. Darauf revidierten sie ihre Schätzungen auf 5.000 Barrel pro Tag. Jetzt ist man schon bei 60.000 Barrel pro Tag angelangt. Eine Bewässerungspumpe mit einer Ausbringungsmenge von über 10 Pfund pro Quadratzoll und einem 41 Zentimeter breiten Abfluss, die durch eine Traktorwelle angetrieben wird, kann 377.000 BPD ausbringen. Das Bohrloch unterliegt einem Wirkungsdruck des Meerwassers von über 400 Pfund pro Quadratzoll und nahezu dem Doppelten des Querschnitts dieser Pumpe. Jeder, der sich mit Pumpen und Rohren auskennt, weiß, dass das Bohrloch noch weitaus mehr abgibt, als die Regierung in ihren Schätzungen angibt.
wirtschaftsfacts.de: Wie sehen Sie in diesem Kontext die Einleitung von Dispersionsmitteln und anderen Chemikalien in den Golf von Mexiko? Wird es auch zukünftig noch Fischbestände oder ein Unterwasserleben in der Region geben? Wie wird sich das auf die weltweiten Ozeane auswirken?
Paul Noel: Die Einleitung dieser Chemikalien wird eigentlich als ein triviales lokales Thema angesehen. Natürlich richten sie unter der lokalen Fischereibranche Schaden an, indem sie das Öl in dem Gewässer noch weiter verteilen, aber sie sind weder in der Menge noch in ihren Auswirkungen sehr signifikant. Ein Ölausfluss von 60.000 Barrel pro Tag (aktuelle Schätzung der US-Regierung) liegt an nur einem Tag bereits rund zweimal höher als die Chemikalien, die sie in einem Zeitraum von 60 Tagen genutzt haben oder anders ausgedrückt bei einem 1/120.  Die Auswirkungen, die die Nutzung dieser Chemikalien zeitigen werden, ist ein Problem, im Kontext der Gesamtsituation jedoch wahrscheinlich nicht überzubewerten.
wirtschaftsfacts.de: Einige amerikanische Energieexperten kamen auf die Idee, eine Atombombe am Tiefseeboden zu zünden, um das lecke Bohrloch zu schließen. Ist das nicht die Wahl zwischen Pest und Cholera? Abrutschen des Seebodens oder nukleare Verseuchung? Und würde es sicher und zuverlässig sein, dass der Einsatz der Bombe das Leck auch schließen würde?
Paul Noel: Die Russen haben das bisher fünfmal gemacht. Ich wusste bis dato nicht, dass sie es schon einmal im Meer ausprobiert haben. Ich habe Angst vor der nuklearen Alternative, weil sie einen plötzlichen katastrophalen Zusammenbruch der Formation zur Folge haben könnte. Sie könnte das Problem aber auch lösen. Es ist bestimmt eine sehr schwierige Entscheidung, die in diesem Falle zu treffen wäre. Ich würde sagen, wenn es gemacht werden soll, dann sollte man nicht mehr länger damit warten. Der eigentliche Schaden durch die Detonation wäre im Vergleich zu den Auswirkungen einer Absenkung des Bodens, die sich im Moment vollzieht, trivial. Das besagte Erdbeben mit der Stärke 4,5 in Petronius hatte fast die gleiche Kraft wi
e eine gut gefüllte Bombe (20KT). Wenn an Land ein katastrophaler Fehler unterliefe, könnte sich die Situation als ernst erweisen, würde jedoch wahrscheinlich eingedämmt werden. Wie wir bereits gesehen haben, stellt sich die Situation unter Wasser als sehr viel schwieriger dar.
wirtschaftsfacts.de: Wie lange wird es dauern, bis sich der Ölteppich weiter ausweitet? Wird diese Sache zu einem globalen Problem avancieren?
Paul Noel:  Hier kommen wir zu den guten Nachrichten. Auch wenn es schockierend ist, es zu sagen, ist der Golf von Mexiko doch der beste Platz der Welt, um ein solches Ölbohrleck zu beherbergen. Der Golf von Mexiko ist der wärmste unter allen Ozeanen (nur das Rote Meer ist wärmer). Er ist auch am salzigsten. Dies führt dazu, da sich das Öl unter allen Orten der Welt am schnellsten auflöst.
Die Region ist ebenfalls das zu Hause des Golfstroms. (Die jüngsten Diskussionen um den Loop Current zeugen davon). Der Golfstrom fließt mit 30 Millionen Kubikmetern pro Sekunde. Diese Tatsache könnte zu einer Verdünnung des Öls weitaus stärker beitragen als sich die Lage momentan darstellt. Bei 60.000 Barrel pro Tag waren dies weniger als 4 Teilchen pro Milliarde. Naturgemäß ist die Verteilung nicht so gut wie es diese Zahlen vermuten lassen, der Punkt ist jedoch, dass sich ein Großteil des Öls auflöst, und dies wahrscheinlich innerhalb der kommenden 60 bis 90 Tage. Diese Annahme passt zu den momentan kursierenden Nachrichten. Hier unten in der Region sieht man bereits eine ganze Menge an verwittertem Öl, das aus diesem Prozess herrührt. Es bedeutet, dass Europa wahrscheinlich eine kleine Menge des Öls selbst abbekommen wird an vereinzelten Orten, allerdings keine überaus signifikante Menge.
Eine weitere Besonderheit des Golfs von Mexiko ist, dass das Gewässer auf natürliche Weise etwa 50.000 Barrel pro Tag absorbiert. Dies bedeutet, dass die Örtlichkeit einige Lebewesen beherbergt, die Öl aufnehmen. Normalerweise werden 50.000 Barrel pro Tag aufgenommen – und dies schon seit tausenden von Jahren. Nur wenn sich die Situation um das Leck noch deutlich verschlimmern würde, dürfte sich der entstehende Schaden außerhalb der Vereinigten Staaten ernsthaft erhöhen. Es wäre möglich, ist aber unter den momentanen Umständen eher unwahrscheinlich.
wirtschaftsfacts.de: Wann wird das Öl auf eine von Europas Küsten treffen? Welche atmosphärischen Störungen könnten daraus resultieren?
Paul Noel: Ich vermute, dass die atmosphärischen Auswirkungen Europa bereits erreicht haben; die USA haben sie mit Sicherheit erreicht. Wir haben es hier mit exzessiven Temperaturen und katastrophenverdächtigen Regenfällen zu tun.  Diese Dinge geschehen auch auf natürliche Weise, jedoch hat dieses aktuelle Ereignis die negative Folge, den Ozean stärker aufzuheizen. Europa wird einen Teil des Öls zu sehen bekommen, es wird jedoch vermutlich als eine stark verdünnte Substanz dort eintreffen. Auch dürfte es als ein außergewöhnliches Ereignis wahrgenommen werden, als ein Ereignis, das in dieser Form allerdings öfters auftreten könnte an verschiedenen Orten. Eher wird bei Gelegenheit einmal ein Teerklumpen an die Küste gespült oder irgendetwas Ähnliches.
wirtschaftsfacts.de: Könnte diese Katastrophe zu einem Kollaps des ökologischen Gleichgewichts auf unserem Planeten führen?
Paul Noel: Nicht nach dem aktuellen Stand, aber wenn die Lagerstätte instabil wird, sind die Gefahren für weltweit ernsthafte Schäden sehr real. Der Umfang dessen, was im Moment passiert ist schon recht schlimm. Aber der Umfang ist nicht so groß, als dass er das gesamte ökologische System verändern könnte, außer andere von Menschen verübte Taten verstärken die derzeitige Situation noch. Es wird für die US-Golfküste für einen langen Zeitraum ein ziemlich harter Schlag ins Gesicht sein.
wirtschaftsfacts.de: Was wird mit dem Ölriesen BP geschehen? Haben die dort nicht versucht, die Dimension dieser Katastrophe von Beginn an zu vertuschen? Wie hätte der Konzern die Zeit besser nutzen können und gegebenenfalls für was?
Paul Noel: Ich habe keine Ahnung, was mit BP passieren wird. Sie haben ganz bestimmt versucht zu vertuschen, was passiert ist und tun es immer noch. Sie drangsalieren Presseleute in der Region und wollen sogar Flugzeuge davon abhalten, die Region zu überfliegen und der Außenwelt zu zeigen, was tatsächlich los ist. Sogar ihre Tagesarbeiter müssen unterschreiben, dass sie gegenüber der Presse nichts nach außen dringen lassen.
Ich würde die Situation mit den Ereignissen von Tschernobyl vergleichen. BP hätte besser daran getan, gleich von Anfang an die Wahrheit zu sagen anstatt zu lügen. Alles sieht noch schlimmer aus, als es ist, wenn der Konzern so weitermacht wie bisher. Die Parallelen hier sind verblüffend. Die Situation ist zwar erträglich, aber indem man nicht darüber spricht oder versucht rational damit umzugehen, wird die Situation noch schlimmer. BP hat sich selbst einen Bärendienst erwiesen mit dem Versuch, den Amerikanern eine anti-britische Einstellung anzudichten, nur weil sie über den Konzern höchst verärgert sind. Die amerikanischen Bürger sind natürlich absolut sauer und empört über BP, allerdings gibt es keinerlei anti-britische oder anti-europäische Einstellung unter ihnen. An jedem Tag, an dem BP schlagkräftige Taktiken an der US-Golfküste verfolgt, macht sich das Unternehmen mehr und mehr Feinde unter der lokalen Bevölkerung, die ehedem eher dazu geneigt war, die Interessen der Ölindustrie zu unterstützen.
wirtschaftsfacts.de: Selbst wenn der Welt das Öl ausgehen sollte und wir in Richtung Peak Oil laufen sollten: sollten Regierungen damit fortfahren, Lizenzen für Tiefseebohrungen an Unternehmen wie BP zu vergeben?

Paul Noel: Die Theorie um Peak Oil ergibt nur in Bezug auf die anfallenden Kosten einen Sinn, nicht auf die tatsächlichen Bestände. Die Entwicklung des Macondo-Ölfelds allein kostete bereits an die $3 Milliarden. Man muss eine Menge Geld in die Hand nehmen, um diese Kosten irgendwann wieder herein zu holen. Die Risiken waren ganz offensichtlich sehr hoch. Die globalen Risiken in der Ölförderung steigen und die Kosten für Öl steigen mit nahezu jedem Tag. Die Preisentwicklung im Ölsektor wird immer mehr zu etwas, dass durch eine vernünftig denkende und handelnde Person als weitaus zu teuer angesehen würde. Wir müssen in der Zukunft definitiv andere Wege in der Energiegewinnung einschlagen.
wirtschaftsfacts.de: Was denken Sie über den folgenden Artikel: http://atomicnewsreview.org/2010/05/29/toxic-oil-spill-rains-warned-could-destroy-north-america/

Paul Noel: Ich nehme an, dass die Russen über diese chemischen Mittel mehr besorgt gewesen sind als ich, bevor ich diesen Artikel zum ersten Mal las. Wie auch immer, die Wärme in der Region wird das Material wahrscheinlich ziemlich schnell oxidieren. Ich sah zuletzt ein Foto des chemischen Smogs durch den Ölfluss in Huntsville, Alabama. Huntsville, Alabama ist ungefähr so weit entfernt vom Golf von Mexiko wie zu Kanada. Diese Folgen wirken sich demnach also auf das Landesinnere aus.
wirtschaftsfacts.de: Wie viel Öl schätzen Sie, fließt momentan aus dem lecken Bohrloch?
Paul Noel: Die Schätzungen der US-Regierung liegen mittlerweile bei 60.000 Barrel pro Tag. Heute Morgen verkündete BP, dass das Unternehmen fast 30.000 Barrel pro Tag auf Schiffe gepumpt oder schlicht verbrannt habe. Wenn man sich einmal die Bilder der Kamera, die den Ölausfluss aufzeichnet, im Internet betrachtet, gibt es bei einer längeren Beobachtung des Ölflusses keine nennenswerten Unterschiede. Um nochmals auf das Beispiel mit der Bewässerungspumpe zurück zu kommen, die 377.000 Barrel pro Tag zum Ausfluss bringt, würde das lecke Bohrloch sicherlich dieselbe Leistung schaffen. Wenn man diese Zahl zugrunde legen wollte, würde BP momentan lediglich rund 7 Prozent des Ölausflusses absaugen. Kein Wunder also, dass man auf der Kamera keinen Unterschied erkennt. Man bräuchte das zwei- oder dreifache der Menge, um es sehen zu können.
Es ist wichtig zu betonen, dass es sich hierbei nicht um ein Ölquelle handelt. Sondern es handelt sich eigentlich um eine Gasquelle, die einiges an Öl mit ausstößt. Die derzeitige Ausflussmenge könnte demnach etwas niedriger sein als im Vergleich mit einem vollumfänglichen Ölstrom. Im Vergleich mit der Wasserpumpe würde der Gesamtausfluss dennoch gut 350.000 Barrel pro Tag erreichen können, sogar dann noch, wenn das ausströmende Gas einen guten Teil der Ölmenge verdrängt. Sowohl das Bohrvolumen als auch die vorherrschenden Druckverhältnisse weisen darauf hin, dass es eine ganze Menge mehr sein könnte als ich annehme, ich weigere mich nur, mich auf eine genaue Anzahl festzulegen, ohne auf detailliertere Daten zurückgreifen zu können. Das Bohrloch könnte größere Mengen freisetzen als von mir momentan vermutet. Die Abdeckung des Bohrlochs ist gewaltig und komplett durch Öl verschleiert. Aus diesem Bohrloch strömen mit großer Wahrscheinlichkeit keine 60.000 Barrel pro Tag aus. Sondern der Ölausfluss ist weitaus höher und könnte um einen nicht unerheblichen Faktor nach oben revidiert werden. Aber nochmals: ich bin momentan nicht gewillt, mich derzeit auf exakte Angaben festzulegen, doch ich kann sagen, dass der Ölausfluss massiv ist.
wirtschaftsfacts.de: Könnten die Entlastungsbohrungen die Situation irgendwann verbessern?
Paul Noel: Die Ölindustrie sagt, das wäre die einzig wirkliche Lösung. Die Probleme mit dieser Lösung sind die gleichen wie mit dem ursprünglichen Bohrloch. Beim Bohrloch Ixtoc 1 im Jahr 1979 gingen auch einige Erleichterungsbohrungen schief, bevor man letztendlich Erfolg hatte. Es ist eine gefährliche und auch riskante Lösung. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich die einzige gute Chance. Die damit verbundenen Risiken sind sehr hoch und beinhalten einen weiteren Blowout.
wirtschaftsfacts.de: Können Sie irgendetwas über die momentanen Druckverhältnisse in und in der Umgebung des lecken Bohrlochs sagen?
Paul Noel: Meine letzten Daten sagen, dass der Differenzdruck zwischen der Bohrlochabdichtung und der umliegenden See bei über 400 Pfund pro Quadratzoll liegt. Das Bohrloch selbst – falls es abgedichtet werden könnte – würde über 20.000 Pfund pro Quadratzoll erreichen, wenn man die Angaben von BP zur Grundlage machte. Es gibt jedoch bereits eindeutige Beweise, dass diese Zahl recht niedrig ist. Es ist im Prinzip egal, wie hoch sie ist. Er ist zu hoch, um die Instrumente zu kontrollieren. Der Druck in Bohrlöchern dieses Typus leitet sich ab aus zwei Kennzahlen. Die erste Kennzahl basiert ganz einfach auf dem Gewicht des Materials auf der Oberseite der Formation. In einem Ölbohrloch sind dies typischerweise über 1,5 Pfund pro Quadratzoll pro Meter des Bohrlochs im Wasser. Im Gestein liegt der Druck bei über 4 Pfund pro Quadratzoll pro Meter des Anstiegs. Der zweite Faktor basiert auf folgendem: falls das gesamte Gebiet zu einem Reservoir gehört, das höheren Druckverhältnissen ausgesetzt ist oder andere Nebenaspekte aufweist, kann sich der Druck noch erhöhen. Bei diesem Bohrloch kommen eventuell beide Faktoren ins Spiel.
wirtschaftsfacts.de: Wie sieht es mit den Temperaturen generell aus?
Paul Noel: Die Temperaturen am Tiefseeboden liegen in etwa bei -4 Grad Celsius. Bei einem Druck von 2.500 Pfund pro Quadratzoll gleicht dies unter Berücksichtigung der vorherrschenden Temperaturen und Druckverhältnisse dort unten in etwa 2.000 Grad Celsius. Das in dieser Tiefe ausströmende Öl destilliert in Salzwassersäulen und genau dies ist es, was die Gasblase mit erzeugt hat. Auf Basis des Gasgehalts verhält es sich ähnlich wie das Ausströmen von verflüssigtem Kohlendioxid, was im Resultat sowohl Gas als auch  verfestigtes Kohlendioxid zur Folge hat. Daraus resultieren wiederum vielerlei Effekte, inklusive der extremen Freisetzung von Öl in Form von sehr kleinen Tröpfchen in der Wassersäule. Dies führt auch dazu, dass nur eine sehr kleine Menge des Öls überhaupt die Wasseroberfläche des Meeres erreicht. Das Öl, das aus dem Bohrloch ausfließt, ist sehr heiß. Es hat ungefähr eine Temperatur von 65 Grad Celsius. Das Gas, das aus dem Bohrloch austritt, dehnt sich beim Eintreten an die Meeresoberfläche ungefähr um den Faktor 2.000 aus. Daraus resultiert ein Gefrieren des Öls, was ebenso zu einem größeren Ausbringungseffekt beiträgt. Es ist sehr wichtig diese Dinge im Kontext der Gasgesetze zu verstehen, falls jemand sich damit näher beschäftigt. Das gefrorene Öl explodiert in der Folge beim Aufstieg in der Wassersäule. Es gibt eine ganze Menge anderer Dinge, die es zu beachten gilt bezüglich des Öls. Das Öl ist eine rötlich-braune Substanz, die sehr viele flüchtige Teilchen enthält. Es finden sich darin Bestandteile von Benzol, Xylen, Toluen, Naphta, Äther und andere Substanzen in großen Mengen. Diese Mischung ist sehr gefährlich und könnte das durch BP zum Einsatz gebrachte Corexit daneben wie ein Zwergenproblem aussehen lassen. Benzol ist ein Karzinogen der Klasse 1 und verursacht Leukämie. Bei einem Teilchen pro 1 Million ist Benzol bereits gefährlich. Und das Eindringen von Benzol ist selbst weit bis ins Küstenhinterland möglich.
wirtschaftsfacts.de: Paul, wir bedanken uns herzlich für all diese Informationen, und dass Sie sich die Zeit genommen haben.
Copyright: wirtschaftsfacts.de

Abschließend soll zu diesem Interview auch auf das folgende Video aufmerksam gemacht werden:

Artikelhistorie zur BP-Ölkatastrophe im Golf von Mexiko

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